Mainzigartig mobil

Dialog

Fragen & Antworten

Wie wird die Straßenbahntrasse an der Ecke Marienborner Straße und Wilhelm-Quetsch-Straße verlaufen?

Die geplante Straßenbahntrasse im Bereich der Marienborner Straße, Ecke Wilhelm-Quetsch- Straße verläuft parallel zur Marienborner Straße bzw. auf der „alten“ Marienborner Straße. Der Flächenbedarf beschränkt sich auf das Straßenbegleitgrün bzw. auf die ehemalige Straßenbreite.

Aus welcher Intention heraus wurde ein Bedarf gesehen in Bretzenheim, Marienborn und Lerchenberg mit einer Straßenbahn den ÖPNV auszustatten? Welche Erhebungsarten und Erhebungsmethoden liegen dieser Annahme zugrunde? Aus welchem Jahr stammen diese Grundlagen und von wem sind diese?

In den letzten Jahren hat die MVG Fahrgastzuwächse in Höhe von ca. 10 % zu verzeichnen. Basis dieser Statistik sind die Verkaufszahlen der Fahrkarten sowie kontinuierliche Fahrgastzählungen mittels manueller Erhebungen und automatisierter Zählungen. Die Ermittlung der studentischen Fahrgäste erfolgt semesterspezifisch durch Zählungen an den relevanten Haltestellen um die Universität und die Fachhochschule, die von einem Wirtschaftsprüfer testiert werden. Für die Ermittlung des Schwerbehindertenanteils erfolgen zweijährig Erhebungen als Grundlage für die Ausgleichszahlungen durch Land und Bund, nach festen Vorgaben. 

Für die Standardisierte Bewertung wurden verschiedene Strukturdaten, wie die Bevölkerungsprognose 2007 bis 2020 zugrunde gelegt. Für die Verkehrsdaten gibt es umfangreiche Untersuchungen, unter anderem Vollerhebungen der Verkehrsverbünde RMV und RNN aus den Jahren 2004 und 2003. Zudem wurde durch die Gesellschaft für Verkehrsberatung und Systemplanung mbH (GVS) im Auftrag der Städte Wiesbaden und Mainz ein Modell auf Basis aller vorliegenden Informationen für den öffentlichen Personennahverkehr im Großraum Mainz/Wiesbaden erarbeitet, das als Grundlage der Standardisierten Bewertung verwendet werden konnte.

Wie ist der Streckenverlauf der Mainzelbahn im Bereich Ostergraben Koblenzer Straße geplant?

Die derzeit geplante Trasse zur Erschließung des Ostergrabens in Mainz-Bretzenheim mit der Mainzelbahn verläuft parallel zur Straße Am Ostergraben. Der Flächenbedarf wird sich auf das Straßenbegleitgrün beschränken.

Provoziert die Mainzelbahn nicht einschneidende (negative) Orts- und Stadtbildveränderungen?

Durch das Stadtplanungsamt, die technische Planung, die Freianlagenplaner und die MVG wurde ein Gestaltungshandbuch erarbeitet und dem Gestaltungsbeirat Mainz zweimal vorgestellt. Das Feedback war durchweg positiv. Dieses Handbuch beinhaltet Grundlagen für die Neugestaltung von Stadteingängen, Plätzen, Verkehrs- und Landschaftsräumen, Bauwerke etc. 

Führt die Mainzelbahn zum Wegfall von Buslinien?

Auch das Busnetz muss und wird sicher, z.B. mit neuen Direktverbindungen, optimiert werden. Das machen wir aber unabhängig von dem Projekt der Mainzelbahn. Sicher ist, dass alle Haltestellen weiterhin bedient werden müssen, denn mit der Gesamtmaßnahme sollen ja Fahrgäste für Bus und Bahn gewonnen werden. Wir wollen einen attraktiven ÖPNV für die Menschen in unserer Stadt.

Ist es untersucht und möglich, dass die Landeshauptstadt Mainz mit den entsprechenden Stellen der Landesregierung für unsere Stadt ein angepasstes zukunftsfähiges ÖPNV-Konzept aufstellt und wenn ja in welchem Stadium der Planung/Überlegung ist dieser Prozess mit welchen zeitlichen Vorstellungen?

Die Zuständigkeit für den örtlichen ÖPNV liegt in Rheinland-Pfalz bei den kommunalen Gebietskörperschaften, in Mainz also bei der Stadt. Der regionale ÖPNV, in der Regel der Schienenverkehr und ergänzende Regio-Buslinien, wird durch den Schienenpersonenzweckverband Rheinland-Pfalz Süd (ZSPNV) organisiert, die Stadt Mainz ist Mitglied dieses Zweckverbandes. Daneben organisiert der Rhein-Nahe-Nahverkehrsverbund (RNN) die Zusammenarbeit der Landkreise Birkenfeld, Bad Kreuznach, Alzey-Worms, Mainz-Bingen und der Landeshauptstadt Mainz hinsichtlich der örtlichen Nahverkehrsangebote. Auf dieser Ebene werden auch die jeweiligen Nahverkehrspläne abgestimmt bzw. ein gemeinsamer Nahverkehrsplan auf Basis der einzelnen Pläne erstellt. Ergebnis dieser Zusammenarbeit sind unter anderem die in den vergangenen Jahren eingeführten Gemeinschaftslinien 64, 66, 68 und 71. Mit dem Ausbau der Straßenbahn ergeben sich gerade für die Verknüpfung der Nahverkehrsangebote zwischen dem Landkreis Mainz-Bingen und der Stadt Mainz weitere Entwicklungsmöglichkeiten, unter anderen am Bahnhof Marienborn.

Um die Straßenbahn wirtschaftlich zu betreiben, sollen nach Aussage der MVG die Buslinien angepasst werden. Was bedeutet das? Wie verändert sich das? Wie sehen diese aus?

Bei Realisierung der Straßenbahnlinie bis zum Lerchenberg werden die Buslinien auf das neue Verkehrsangebot hin angepasst. Dies bedeutet konkret, dass echte Parallelverkehre entfallen und die für die übrigen Verkehrsbeziehungen erforderlichen Buslinien in ihren Fahrplänen auf die Straßenbahn abgestimmt werden. 

Warum sind Hybrid- und Elektrobusse keine ausgereifte Alternative? Stimmt es zudem, dass im Rahmen der Umweltministerkonferenz 2009 in Mainz ein Brennstoffzellenbus mit gutem Erfolg vorgestellt und als zukunftsfähiges ÖPNV-Transportmittel erprobt wurde und welche Ableitungen für die MVG / Stadtwerke sind daraus vorgenommen worden?

Serienmäßige Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb, Brennstoffzelle oder als Hybridfahrzeuge stehen z. Z. noch nicht bzw. nicht zu vertretbaren Kosten zur Verfügung. Unabhängig davon beziehen sich die angesprochenen Entwicklungen auf eine Weiterentwicklung der Antriebssysteme für Busse, die auch bei dem geplanten Straßenbahnausbau in Mainz bei serienreifer Entwicklung und Bewährung der Technik in der Praxis im Busnetz, ergänzend zur Straßenbahn, zum Einsatz kommen können und werden. Darüber hinaus würden zwar die Abgase vor Ort reduzieren, hätten jedoch die gleichen Kapazitätsprobleme (die Fahrgastzahlen steigen stetig an: 2009: 47,3 Mio. Fahrgäste, 2012: über 50 Mio.) wie die Dieselbusse und wäre ohne eigene Trasse nicht schneller oder pünktlicher unterwegs als die Dieselbusse heute.

Stimmt es, dass rund 200 Bäume entlang der Streckenführung wegfallen?

Es muss ein landespflegerischer Begleitplan erstellt werden, der Ausgleichsmaßnahmen für Flora und Fauna festschreibt. Als Ausgleich für die 190 Bäume die im Rahmen der Maßnahmen wegfallen, werden rund 390 Bäume neu gepflanzt. 

Müssen Grünanlagen und Vorgärten geopfert oder enteignet werden?

Der Großteil der benötigten Flächen ist schon heute im städtischen Besitz, sodass hier auch nicht in private Vorgärten eingegriffen werden muss. Durch die Straßenbahn entfallende Freiräume werden – möglichst ortsnah – kompensiert.