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Messergebnisse der Gutachter in Bretzenheim liegen vor – MVG diskutierte mit Anwohnern die weiteren Schritte.

BRETZENHEIM. Die Erschütterungsmessungen entlang der Mainzelbahn-Strecke in Bretzenheim haben ergeben, dass an allen neun exemplarisch untersuchten Gebäuden die Schwellenwerte hinsichtlich der Erschütterungen und des so genannten sekundären Luftschalls eingehalten werden. Zu diesem Ergebnis kommt das mit den Messungen von der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) beauftragte Büro Krebs+Kiefer Fritz AG. Die MVG hatte am Montagabend zusammen mit den Gutachtern den Anwohnern in Bretzenheim die Messergebnisse vorgestellt und mit Ihnen das weitere Vorgehen diskutiert.

Nach der Inbetriebnahme des Streckenabschnitts zwischen Hauptbahnhof West und Lerchenberg im Dezember 2016 hatte es zahlreiche Beschwerden von Anliegern über zu starke Erschütterungen gegeben. Neben Nacharbeiten an den Schienen und weiteren Maßnahmen, die eine Verbesserung zur Folge hatten, wurde von der MVG das Ingenieurbüro Krebs+Kiefer Fritz AG beauftragt, an mehreren Gebäuden nachzumessen, um zu einer objektiven Bewertung der Situation zu kommen. Die Gebäude waren in Rücksprache mit Anwohnern exemplarisch ausgewählt worden. Die Durchführung der Messungen im April erfolgte sowohl am Fundament der Gebäude in drei Raumrichtungen als auch in drei exemplarischen Räumen der Gebäudes jeweils an der Position, an der die höchste Schwinggeschwindigkeit auftritt. Das ist im Regelfall die Raummitte. Anschließend erfolgt die Auswertung der Messsignale und die Beurteilung der Erschütterungen gemäß DIN 4150-2 unter Berücksichtigung der betrieblichen Randbedingungen, die im Rahmen der Planfeststellung zum Mainzelbahnbau zugrunde gelegt wurden. Ziel der Messungen: Die im Rahmen des Genehmigungsverfahrens prognostisch erhobenen Erschütterungsimmissionen sollten anhand von tatsächlichen Messungen verifiziert werden. Laut Gutachter zeigen die an den neun Gebäuden durchgeführten erschütterungstechnischen Messungen, dass die im Planfeststellungsverfahren zu Grunde gelegten Schwellenwerte hinsichtlich der Zumutbarkeit von Immissionen aus Erschütterungen und aus sekundärem Luftschall an allen untersuchten Gebäuden eingehalten bzw. unterschritten werden. An 8 der 9 untersuchten Gebäude werden sie sogar erheblich unterschritten. Derartige Ergebnisse von Nachmessungen sind laut dem Gutachter typisch, da die im Genehmigungsverfahren gemachten Prognosen zu den zu erwartenden Erschütterungen stets im Sinne der Anwohner nach oben abgeschätzt werden. "Soweit in Prognosen Schutzvorkehrungen auf die Einhaltung der Schwellenwerte abgestellt sind und dies entsprechend rechnerisch nachgewiesen wird, kann davon ausgegangen werden, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse, wie auch im vorliegenden Fall, deutlich günstiger als prognostiziert darstellen", so die Gutachter.

Es gibt aber bei der Mainzelbahn in Bretzenheim eine Ausnahme: Bei einem der  Gebäude haben die Messungen ergeben, dass die sogenannten zulässigen Beurteilungsanhaltswerte tagsüber in einem Raum mit 99 Prozent fast erreicht werden. Für die Nacht liegen die tatsächlich ermittelten Werte bei 62 Prozent. MVG-Geschäftsführer Jochen Erlhof: "Die tatsächlichen Werte liegen damit zwar am Tag und in der Nacht (gerade) noch im zulässigen Bereich, sie sind aber dennoch sehr hoch." Die Gutachter empfehlen daher, für den Streckenabschnitt speziell an diesem Haus zu prüfen, welche weiterführenden Maßnahmen zur Reduktion der im Gebäude auftretenden Immissionen aus Erschütterungen und sekundärem Luftschall technisch möglich sind, um eine Verbesserung zu erreichen. Die MVG wird deshalb das eingebaute Dämpfungssystem im Schienenbereich auf seine Wirksamkeit hin überprüfen und klären, ob es bei diesem Gebäude noch weitere Möglichkeiten gibt, die Erschütterungen und den sekundären Luftschall zu verringern. Auffällig sind zudem deutliche Unterschiede bei den Messwerten einzelner Fahrzeuge im April. Auch dem geht die MVG nach und sieht hier einen Ansatz zur Verbesserung der Situation.

Testfahrten auf der neuen Strecke starten – Inbetriebnahme im Herbst geplant

MAINZ. Nach rund einem Jahr Bauzeit ist die neue Straßenbahnstrecke zum Mainzer Zollhafen auf der Zielgeraden. Bei einem Pressetermin verfolgten die MVG-Geschäftsführer Jochen Erlhof und Eva Kreienkamp, die Mainzer Verkehrsdezernentin und MVG-Aufsichtsratsvorsitzende Katrin Eder und die Vorstände der Mainzer Stadtwerke Detlev Höhne und Daniel Gahr heute die erste so genannte "Räumfahrt" einer Straßenbahn auf den neuverlegten Gleisen im Zollhafen. Räumfahrten werden unternommen, um die Gebrauchsfähigkeit und Sicherheit der Betriebsanlagen nachzuweisen. Danach stehen noch erste Betriebsfahrten auf der neuen Strecke an – zunächst ohne Fahrgäste. Im Laufe des Sommers sollen Weichensteuerungen, Ampeln und Schienenschmieranlagen eingebaut, getestet beziehungsweise in Betrieb genommen werden. Die Haltestellen, die Stromversorgung der Strecke sowie eine neue Toilettenanlage müssen ebenfalls noch fertiggestellt werden. Geht alles mit der Inbetriebnahme der neuen Schleife im Zollhafen wie geplant, dann rechnet die MVG mit dem ersten regulären Fahrgastverkehr im Herbst – dann mit der neuen Straßenbahnlinie 59, die künftig von der Hochschule zum Zollhafen fahren wird.

Heute war also ein durchaus historischer Moment: Schließlich war vor fast 20 Jahren das letzte Mal eine Straßenbahn in Mainz über die Rheinallee Richtung Ingelheimer Aue gefahren: Im November 1997 war dieser Streckenabschnitt der damaligen Linie 8 eingestellt worden.

Insgesamt wurden seit dem Baustart im Mai 2016 rund 970 Meter Gleise verlegt. Nördlich der Rheinallee führt die neue Trasse zweigleisig entlang der Straße "Am Zoll- und Binnenhafen", im Anschluss führt die Strecke als eingleisige Trasse weiter und beschreibt eine Wendeschleife (Blockumfahrung), die danach wieder in den zweigleisigen Abschnitt "Am Zoll- und Binnenhafen" einmündet.

In der Geraden wurde die Endhaltestelle "Zollhafen" neu errichtet, wobei getrennte Aus- und Einstiegsbereiche in Form einer Doppelhaltestelle mit 65 Meter Bahnsteiglänge realisiert wurden. Das Gleis liegt mittig im Verkehrsraum und wird als Rasengleis ausgeführt. Der einseitige Außenbahnsteig erhielt barrierefreie Zugangsrampen. Die Haltestelle wird ausschließlich von der Straßenbahn genutzt.

Für den Abzweig in den MVG-Betriebshof werden ca. 70 Meter Gleis benötigt. Der neue Streckenabschnitt ist an die bereits zuvor bestehende Gleisverbindung im  Kaiser-Karl-Ring angeschlossen worden.

Das rund 4,7 Millionen Euro teure Projekt beinhaltet auch die Erneuerung der zuvor bereits bestehenden Haltestelle "Straßenbahnamt/MVG" und den Neubau der Haltestelle "Zollhafen".

Zwischen 18. und 22. April 2017 wird in Mainz-Bretzenheim die Straße Am Ostergraben auf Höhe der Haltestelle Ludwig-Nauth-Straße voll gesperrt. Die Sperrung ist für den Vollausbau des Straßenbereichs erforderlich. Im Zuge der Mainzelbahn-Bauarbeiten war dieser Teilbereich zunächst ausgelassen worden, da Busse der Mainzer Verkehrsgesellschaft lange Umleitungsstrecken hätten fahren müssen - verbunden mit negativen Auswirkungen für die Fahrgäste. Jetzt, nach Inbetriebnahme der Mainzelbahn, wird das Fahrgastaufkommen mit der Straßenbahn abgewickelt.

Es gelten folgende Umleitungen: Der innerörtliche Anliegerverkehr vom Ostergraben kommend wird über die Ludwig-Nauth-Straße – An der Wied – Steinbiedengasse – Wilhelmstraße – Faulhaberstraße – Bert-Brecht-Straße – Essenheimer-Straße geführt. Der Anliegerverkehr aus Richtung Koblenzer Straße und Marienborner Straße wird über die Essenheimer-Straße – Pfarrer-Veller-Straße – An der Riegelspforte – Rathausstraße – An der Wied geführt.

Die MVG bittet wegen der nicht vermeidbaren Beeinträchtigungen um Verständnis.

Damit hatte Friederike Emmermann bei ihrer heutigen Fahrt mit der Mainzelbahn überhaupt nicht gerechnet: Ihr Ausflug hoch zum Lerchenberg endete an der Endhaltestelle in der Hindemithstraße damit, dass sie aus den Händen von MVG-Geschäftsführer Jochen Erlhof einen Blumenstrauß und einen Einkaufsgutschein überreicht bekam. Die Wiesbadenerin erhielt die Preise stellvertretend für alle Fahrgäste die seit dem Betriebsstart am 11. Dezember 2016 auf der neuen Straßenbahnstrecke zwischen dem Hauptbahnhof West und dem Lerchenberg unterwegs gewesen sind. Friedericke Emmermann war beim Aussteigen aus der Bahn sichtlich überrascht, dass die Wahl auf sie fiel: Die Wiesbadenerin war längere Zeit nicht in Mainz gewesen und daher war es ihre erste Fahrt überhaupt mit der Mainzelbahn für sie.

Bereits im Januar hatte die Mainzer Verkehrsgesellschaft positive Ergebnisse bei den Fahrgastzählungen auf der neuen Strecke vermelden können: An einem durchschnittlichen Werktag benutzten im Januar mehr als 17 000 Fahrgäste eine der Straßenbahnen auf dem Weg vom Lerchenberg zum Hauptbahnhof West oder zurück. Damit konnte die Mainzelbahn-Strecke bereits im zweiten Monat ihres Betriebs die eigentlich erst für Ende 2018 avisierten Fahrgastzahlen auf der neuen Strecke klar übertreffen. Die Fahrgastdaten basieren auf den Auswertungen der in mehreren Straßenbahnen eingebauten automatischen Zähleinrichtungen und wurden auf den kompletten Betrieb auf der Strecke entsprechend hochgerechnet.

Erste Arbeiten am Schottergleis – Gewisse Lärmbelästigungen in der Nacht unvermeidbar.

MAINZ. Drei Monate nach Inbetriebnahme der Mainzelbahn ist ein so genannter Belastungsstopfgang der Schottergleise erforderlich, bevor die Gleise in den entsprechenden Teilabschnitten begrünt werden können. Dabei wird eine Stopfmaschine die Strecke befahren und durch leichtes Anheben und Verschieben des Gleises durch einen in das Schotterbett eintauchenden Stopfpickel, erfolgt die Festigung und Nachverdichtung.

Die ersten Abschnitte für die Stopfgänge liegen im Bereich der Hochschule Mainz und in der Wendeschleife Bretzenheim. Dort starten die Arbeiten in der Nacht vom Freitag, 3. März, auf Samstag, 4. März, und dauern vermutlich bis zum 10. März. Anschließend erfolgen weitere Stopfgänge in den Bereichen Bretzenheim, Marienborn und Lerchenberg. Diese sollen bis zum 18. März abgeschlossen sein. Die Arbeiten erfolgen nachts unter Schienenersatzverkehr, tagsüber fahren die Straßenbahnen zum Lerchenberg hingegen regulär. Grund für die nächtlichen Arbeiten ist die Sperrung der Bahnhofstraße seit dem 1. März. Diese Sperrung einer der wichtigsten ÖPNV-Trassen in der City macht im Mainzer Personennahverkehr weiträumige Umleitungen und Schienenersatzverkehre notwendig. Tagsüber sind für einen zusätzlichen Schienenersatzverkehr mit Bussen auf dem Abschnitt Hauptbahnhof bis Lerchenberg Hindemithstraße nicht mehr genügend Busse verfügbar um das starke Fahrgastaufkommen tagsüber abzudecken. Zu den Nachtzeiten ist dies aufgrund der geringeren Anzahl der Fahrten hingegen möglich.

Lärmbelästigungen für die Anwohner in den Stadtteilen lassen sich zwischen dem 9. und 17. März zwischen 21 und 5 Uhr leider nicht vermeiden. Der genannte Zeitraum umfasst aber den gesamten Abschnitt zwischen Bretzenheim, Marienborn und Lerchenberg. Die Beeinträchtigungen für die einzelnen Anwohner werden sich aber auf ein oder zwei Nächte und dabei nur auf wenige Stunden beschränken, da die Stopfmaschine im Laufe ihrer Arbeit "weiterwandert". Die MVG bittet wegen der nichtvermeidbaren Beeinträchtigungen um Verständnis.

Ausbesserungsarbeiten an den Schienen ab März – Stopfgänge Mitte März – Gebäude für Erschütterungs-Messungen ausgewählt.

MAINZ. Die Mainzer Verkehrsgesellschaft wird vorhandene Mängel in der Gleisbearbeitung möglichst zeitnah auf der Mainzelbahn-Strecke beheben lassen. Das kündigte MVG-Geschäftsführer Jochen Erlhof am Donnerstagabend bei einer Infoveranstaltung vor Anwohnerinnen und Anwohnern in Bretzenheim an und nannte als Beispiel unter anderem fehlerhafte Schweißstöße bei Schienenverbindungen. Witterungsbedingt seien die Nacharbeiten bisher leider nicht möglich gewesen, bedauerte Erlhof. Ab Mitte März sind zudem so genannte Stopfgänge auf den Schotterstrecken in Bretzenheim, Marienborn und Lerchenberg geplant. Dies erfolgt nachts, statt der Straßenbahnen werden dann auf der Mainzelbahn-Strecke Busse eingesetzt. Mit Abschluss dieser Stopfgänge ist das Schotterbett gefestigt und nachverdichtet – anschließend kann dann das Rasengleis dort eingebracht werden. Durch das Rasengleis wird es weniger Luftschallemissionen in den betreffenden Abschnitten ergeben, erläuterten die MVG-Verantwortlichen den Anwohnern. Grundsätzlich sei es das Ziel, die Nacharbeiten entlang der Strecke in Bretzenheim bis Ende März und den Einbau des Rasengleises auf einer Gesamtstrecke von über 3 km bis Ende April abzuschließen.

Die MVG hatte zu der Informationsveranstaltung alle Anwohner in Bretzenheim eingeladen, die sich in den vergangenen Wochen über Lärm und Erschütterungen entlang der Strecke beklagt hatten. Dabei ging es vor allem um die Ortsdurchfahrt in Bretzenheim entlang der Marienborner Straße und am Ostergraben.

Beim Thema Schall sehen die rechtlichen Grundlagen keine Lärm-Messungen vor. Schallbelastungen werden vielmehr berechnet, für diese Berechnungen gibt es klar festgelegte gesetzliche Vorgaben. Er wies darauf hin, dass beim Thema Lärm zusätzlich ein Sicherheitszuschlag von 30 Prozent im Planfeststellungsverfahren berücksichtigt worden sei, das heißt im Sinne der Anwohner gibt es beim Schall einen zusätzlichen Puffer. Im Planfeststellungsbeschluss waren von der Behörde 53 Gebäude entlang der gesamten Strecke benannt worden, die beim Thema Schall als besonders betroffen eingestuft wurden. Erlhof: „Die MVG geht derzeit auf die Eigentümer dieser Objekte zu und wird deren Gebäude begutachten lassen. Nach dieser Begutachtung werden, abhängig vom vorliegenden technischen Stand und der Bausubstanz, Maßnahmen des passiven Schallschutzes mit den Eigentümern besprochen – das können beispielsweise neue Lärmschutzfenster sein oder dergleichen. Von den 53 Objekten liegen 12 in Bretzenheim.

Beim Thema Erschütterungen gibt es rechtliche Grundlagen, nach denen gemessen werden kann ob eine Belastung der Anwohner vorliegt und wie groß diese Belastung ist. Allerdings gibt es hier lediglich so genannte Anhaltswerte, keine verbindlichen Grenzwerte. Messungen nach der Inbetriebnahme der Strecke sind der MVG rechtlich nicht vorgeschrieben. Die MVG nimmt die Beschwerden der Anwohner sehr ernst und möchte auch selbst ein objektives Bild der von der neuen Straßenbahnstrecke ausgehenden Emissionen. Sie hat deshalb das im Planfeststellungsverfahren mit den Themen Schall und Erschütterungen beauftragte Büro Fritz gebeten, aussagekräftige Gebäude mit der erwartet größten Betroffenheit für Erschütterungsmessungen zu ermitteln und zu benennen. Die entsprechenden Grundstücke wurden während der Infoveranstaltung den Anwohnern vorgestellt und mit ihnen besprochen – auf Wunsch aus der Versammlung wurde die Liste der Hauser, in denen in einem ersten Schritt gemessen werden sollen, von fünf auf sieben erweitert. Die genaue Zahl hängt von den Gesprächen mit den betroffenen Eigentümern und deren Bereitschaft zur Mitwirkung ab.

Erlhof stellte klar, dass diese Messungen erst nach den erfolgten Nacharbeiten an der Strecke sinnvoll sind, da die Ergebnisse sonst schon wenige Wochen später überholt sind. Er wies zudem darauf hin, dass es auch im Sinne einer zügigen Bearbeitung sinnvoll sei, dass der bereits mit der Materie betraute Sachverständige diese Messungen durchführe. Bei Peter Fritz handelt es sich um einen renommierten, öffentlich bestellten Sachverständigen, an der Objektivität der Ergebnisse gebe es seitens der MVG nichts zu zweifeln. Bei den Messungen werden objektive und wiederholbare Werte ermittelt, es ginge nicht um ein Gutachten mit Bewertungsspielraum für den Gutachter. Erlhof bot den ausgewählten Grundstücksbesitzern an, die Messungen gerne von einem Fachmann begleiten zu lassen. Die Ergebnisse der Messungen und das weitere Vorgehen sollen den Anwohnern dann in einer weiteren Infoveranstaltung vorgestellt werden.

Auch das Thema Schäden an Gebäuden durch den Bau oder den Betrieb der Mainzelbahn wurde angesprochen. Vor Aufnahme der Bauarbeiten für die Straßenbahnstrecke wurden entlang der Trasse an etwa 190 Gebäuden und Bauwerken Beweissicherungsverfahren durchgeführt. Damit wurde der ursprüngliche Zustand dieser Gebäude protokolliert. Anwohner, die Schäden an ihren Gebäuden festgestellt haben, sollen sich an die MVG wenden, damit die Schäden durch einen Gutachter aufgenommen und beurteilt werden können. Vorausgesetzt, dass Ursache für die Schäden Bautätigkeiten für die Trasse oder der jetzige Betrieb der Straßenbahn sind, wird der Schaden entsprechend reguliert, versichert die MVG. Diese Praxis wurde bereits während der Bauzeit der Trasse bei einzelnen Anwohnern umgesetzt und ist ebenfalls Teil der Auflagen zum Bau der Trasse.

Mainzer Verkehrsgesellschaft vermeldet auch einen Fahrgastrekord im gesamten Streckennetz für 2016: Erstmals mehr als 53 Millionen Passagiere.

MAINZ. Die ersten Fahrgastzählungen auf der Mainzelbahnstrecke liegen vor und zeigen aus Sicht der Mainzer Verkehrsgesellschaft ein überaus erfreuliches Ergebnis: An einem durchschnittlichen Werktag benutzten im Januar mehr als 17.000 Fahrgäste eine der Straßenbahnen auf dem Weg vom Lerchenberg zum Hauptbahnhof West oder zurück. Damit kann die Mainzelbahn-Strecke bereits im zweiten Monat ihres Betriebs die eigentlich erst für Ende 2018 avisierten Fahrgastzahlen auf der neuen Strecke klar übertreffen. MVG-Geschäftsführer Jochen Erlhof: "Das ist umso bemerkenswerter, da wir uns noch in der Anlaufzeit einer komplett neuen Straßenbahnverbindung befinden. Wir sind sicher, dass die Mainzelbahn ihr volles Potenzial und ihre starke Attraktivität für die Fahrgäste in den nächsten Monaten noch weiter steigern wird, wenn die Anfangsschwierigkeiten im Fahrablauf und bei der Pünktlichkeit komplett beseitigt sind." Die Fahrgastdaten basieren auf den Auswertungen der in mehreren Straßenbahnen eingebauten automatischen Zähleinrichtungen und liefen im Januar über mehrere Wochen – die Datenbasis ist also ausreichend.

Betrachtet man die Fahrgastzahlen genauer, dann fällt auf, dass die Mainzelbahn mit rund 2.600 Ein- und Aussteigern auf dem Lerchenberg, 1.700 Ein- und Aussteigern in Marienborn sowie rund 4.800 Ein- und Aussteigern an den Bretzenheimer Haltestellen in den Stadtteilen sehr gut angenommen wird – es ist also keinesfalls nur eine Straßenbahnverbindung von der Innenstadt zur Universität und zurück, sondern die Linien 51 und 53 verbinden auch die drei Stadtteile Lerchenberg, Marienborn und Bretzenheim mit der City. Etwa 5.000 Fahrgäste nutzten laut den Statistiken zudem die Mainzelbahn für eine Fahrt zwischen den drei Stadtteilen bzw. bis zu den Hochschulen. Der Binnenverkehr in und zwischen den Stadtteilen beispielsweise zum Einkaufen oder zu den Schulen ist damit sehr hoch.

MVG-Geschäftsführerin Eva Kreienkamp sieht das Unternehmen nicht nur durch die guten Fahrgastzahlen auf der Mainzelbahn-Strecke auf dem richtigen Weg: Inzwischen liegt die erste vorläufige Auswertung für das gesamte Liniennetz der Mainzer Verkehrsgesellschaft für das abgelaufene Jahr vor: Und die sind ebenfalls sehr erfreulich: Trotz der vielen Beeinträchtigungen durch Baustellen und Umleitungen im gesamten Stadtgebiet fuhren 2016 etwas mehr als 53 Millionen Fahrgäste im Liniennetz der Mainzer Verkehrsgesellschaft. Im Jahr zuvor war die Zahl der beförderten Fahrgäste im MVG-Liniennetz erstmals knapp über 52 Millionen gestiegen.

Mainzelbahn: Thema Erschütterungen soll gutachterlich untersucht werden – Vorübergehend Tempo 30 in einem Teil der Marienborner Straße.

MAINZ. Die Geschäftsführung der Mainzer Verkehrsgesellschaft hat heute mit einem externen Gutachter sowie internen Fachleuten über Beschwerden von Anwohnern an der Mainzelbahn-Strecke in Bretzenheim und das weitere Vorgehen gesprochen. Die MVG nimmt diese Sorgen ernst. Bei dem Treffen war man sich einig, dass die MVG sich an die Zusage an die Anwohner halten wird und in mehreren Häusern das Thema Erschütterungen gutachterlich untersuchen lässt. Der Fachgutachter wird zunächst festlegen, welche Häuser dafür infrage kommen. Die Kosten für diese Untersuchungen zahlt die MVG. Erst nach Vorlagen dieser Ergebnisse lässt sich sagen, ob ein Überschreiten der zulässigen Anhaltswerte  beim Thema Erschütterungen tatsächlich vorliegt oder nicht. Und auch dann erst kann man festlegen, ob und gegebenenfalls welche Maßnahmen getroffen werden können, um Verbesserungen zu erreichen. Die MVG wird darüber die betroffenen Anwohner informieren.  

Die MVG weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es sich bei der Straßenbahntrasse zum Lerchenberg um eine Neubaustrecke handelt. Bei solchen Neubaustrecken bedarf es immer einer gewissen Zeit, bis sich Räder und Schienen optimal fügen und "ineinander" laufen, nicht umsonst spricht man vom "Rad-Schiene-System". Außerdem können einige technische Anlagen, zum Beispiel die Schmieranlagen, die Fahrgeräusche deutlich reduzieren oder vollständig verhindern, erst im Laufe der nächsten Wochen und Monate in Betrieb genommen werden bzw. voll zur Wirkung kommen. Auf dem Lerchenberg wurde dieses Problem beispielsweise dadurch weitestgehend gelöst, dass in der Wendeschleife bis zum Einbau der Schmieranlage die Schienen von Hand in regelmäßigen Abständen geschmiert werden.

Im Rahmen der Qualitätssicherung werden in den nächsten Wochen weitere Streckenabschnitte überprüft – das gilt auch für den Bereich Bretzenheim. Bis diese Prüfungen abgeschlossen sind, wird die MVG vorübergehend in der Ortsdurchfahrt in Bretzenheim mit den Straßenbahnen lediglich Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit nutzen. Das gilt für den Streckenabschnitt zwischen den Haltestellen Ludwig-Nauth-Straße und Hans-Böckler-Straße.     

Noch nicht eingebaut werden konnte der Rasen im Gleis, der an einigen Stellen entlang der Strecke zum Einsatz kommt. Dies ist frühzeitig von der MVG kommuniziert worden. Der Einbau im Frühjahr ist zum einen witterungstechnisch bedingt. Aber auch von den baulichen Anlagen und streckentechnischen Abläufen her gar nicht anders möglich. Bevor nämlich der Rasen im Gleis realisiert werden kann, muss zunächst im Frühjahr mit einer Spezialmaschine das bereits bestehende Schotterbett noch einmal aufbereitet werden. Dies kann immer erst einige Wochen oder Monate nach der Erstbefahrung einer Neubaustrecke geschehen, weil sich durch den Betrieb mit den Straßenbahnen der Schotter zunächst immer etwas verschiebt. Diese betriebsbedingten Verschiebungen werden in einigen Wochen durch eine Spezialmaschine wieder korrigiert und das Schiene-Rad-System auf der Neubaustrecke besser aufeinander abgestimmt. Der Rasen im Gleis entsteht anschließend oberhalb des Schotters. Wann dieser Rasen genau eingebaut werden kann, hängt letztlich auch von der Witterung ab.

Klar ist aber auch, dass eine Straßenbahn immer eine gewisse Geräuschentwicklung hervorrufen wird, die subjektiv von Betroffenen stark unterschiedlich wahrgenommen wird. Dies betrifft z.B. auch die Wahrnehmung der verschiedenen Fahrzeugtypen der Straßenbahn, die die MVG einsetzt. Für die Geräusche der Straßenbahn als Verkehrslärm, aber auch für die Erschütterungen gibt es eindeutige gesetzliche Vorgaben und Grenzwerte, die im Planfeststellungsverfahren vor dem Bau der Mainzelbahn ein wichtiges Thema waren. Sie müssen (und werden) im gesamten Verlauf der Straßenbahntrasse von der MVG eingehalten, streckenweise durch besondere und aufwendige Baumaßnahmen.